Hypnose als Beruf
Eine Information der Gesellschaft für Heilschlaf-Hypnose e.V.

Persönliche Voraussetzungen

 

Der "Gesundheitsmarkt", dem man auch die Tätigkeit eines Hypnotiseurs zuordnen kann, ist ein beständig wachsender Markt. Die Umsatzzahlen, die in diesem Bereich zu verzeichnen sind, steigen kontinuierlich. In einer Zeit bedeutender Arbeitslosigkeit und einer oft notwendigen beruflichen Umorientierung mag man daher aus allein finanziellen Gründen versucht sein, sich in diesem Segment zu betätigen und sein Geld mit dieser Form der Hilfestellung zu verdienen. Doch allein solche Motive wären zu kurz gedacht, damit tun Sie sich keinen Gefallen!

 

Lassen Sie Ihr Herz entscheiden, nicht irgend eine Kalkulation!

 

Bitte bedenken Sie, was dieser Beruf in der alltäglichen Praxis bedeutet: Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu Ihnen mit ganz unterschiedlichen Problemstellungen. Darunter werden auch Menschen aus sozialen Kreisen sein, denen Sie selbst nicht zugehörig sind und die Sie bisher vielleicht auch gemieden haben. Vielleicht haben Sie am Morgen einen Banker im feinen Zwirn als Klienten und am Abend einen langhaarigen Rockmusiker. Und am nächsten Tag kommen erst ein gepierctes Mädchen und dann eine 70jährige Frau, die nur gebrochen Deutsch spricht, usw.

 

Und alle werden ihre ureigenen Aufgabenstellungen mitbringen. Diese können sich ähneln oder aber auch ganz verschiedenartig sein. In jedem Fall aber müssen Sie die Anliegen ernst nehmen und professionell mit ihnen umgehen können. Das funktioniert auf Dauer nur, wenn Sie das aufrichtige Bedürfnis mitbringen, anderen Menschen mit Engagement und Empathie helfen zu wollen, egal, wie unverständlich oder nichtig Ihnen ein Anliegen erscheinen mag.

 

Dieser Wunsch, anderen helfen zu wollen, ist unabdingbare Voraussetzung für die Ausübung dieses Berufs. Und so sollte dieser Wunsch auch schon vor dem Eintritt in eine Selbständigkeit in Ihnen vorhanden sein. Wenn Sie denken: "Ich helfe anderen gerne und als Hypnotiseur kann ich das tun und dabei auch noch Geld verdienen", dann könnte Hypnotiseur ein für Sie geeigneter Beruf sein. Sollten Sie aber denken: "Damit kann ich Geld verdienen und dann helfe ich anderen eben - damit hab ich kein Problem", dann wäre dies wahrscheinlich nichts für Sie.

 

Viele in der Beratung Tätige haben zuvor selbst bei sich oder in ihrem Umfeld schwierige und belastende Lebenssituationen kennen gelernt, so dass in ihnen eine Wertschätzung für Hilfestellung gewachsen ist. Dies ist für diesen Beruf keine zwingende Voraussetzung, wenn Sie aber bisher stets nur "auf der Sonnenseite des Lebens" waren und insgeheim Menschen mit Problemen geringschätzen sollten, spricht das für Sie eher gegen diesen Beruf.

 

Respekt und Toleranz

Untrennbar hiervon ist auch eine respektvolle Haltung, die Sie jedem einzelnen Menschen entgegenbringen können sollten. Bedenken Sie bitte: Ihr eigener Lebensentwurf, Ihre Wertvorstellungen, Ihre politischen und gesellschaftlichen Auffassungen, Ihre moralischen und ethischen Wertvorstellungen sind "nur" Ihre. Dabei ist es ganz natürlich, dass man die eigenen Vorstellungen für die richtigen hält, aber rechts und links von Ihnen leben Menschen, die in diesen Punkten anders denken und auch andere Vorstellungen für die richtigen halten - und das sind Ihre Klienten!

Sie müssen also willens und in der Lage sein, eigene Vorstellungen zurückzustellen und stattdessen im Interesse Ihrer Klienten zu handeln. Nicht jeder kann oder will das auf Dauer. Fragen Sie sich, ob Sie das können und wollen. Eine solche gelebte Toleranz ist zwingend notwendig für eine erfolgreiche Tätigkeit als Berater.

 

Eine falsche Motivation

Vielleicht haben Sie mal auf einer Veranstaltung oder im Fernsehen Showhypnose gesehen und wurden dadurch beeindruckt. Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. Wenn in Ihnen dadurch aber der Wunsch entstanden sein sollte, auch mal selbst als so ein Hypnotiseur zu handeln, der andere Menschen "nach seiner Pfeife tanzen" lässt, der der "Bestimmer" darüber ist, was andere Menschen können oder auf einen Fingerschnipp hin plötzlich nicht mehr können, dann ist dieser Wunsch in psychologischer Hinsicht nur allzu verständlich. Denn es reizt vielleicht, mal selbst im Mittelpunkt zu stehen und andere derart manipulieren zu können. Das mag für manche gut fürs Ego sein und nicht wenige Showhypnotiseure erhalten damit sicherlich auch eine Bestätigung und Anerkennung, die ihnen gut tut. Wenn es aber das sein sollte, was Sie sich für einen Beruf als hypnotischer Lebensberater interessieren lässt, dann wäre es der komplett falsche Ansatz.

 

Denn ein Lebensberater hat die genau entgegengesetzte Aufgabe. Er soll nicht die Abhängigkeit eines anderen Menschen fördern, sondern im Gegenteil dessen Selbstbestimmtheit und Autonomie. Und diese Prämisse soll sich durch das gesamte Handeln des Lebensberaters ziehen, von der Terminabsprache über das einleitende Vorgespräch und die eigentliche Hypnose bis hin zur Verabschiedung. Wer irgendwo währenddessen zeigen will, was er für ein toller Typ als Hypnotiseur ist, ist dabei fehl am Platze und sollte sich dann vielleicht besser mit Showhypnose beschäftigen.

 

Hinreichende Deutschkenntnisse

Der Sprache kommt innerhalb der Beratung eine sehr große Bedeutung zu. Mit ihr macht ein Klient nicht nur seine Wünsche deutlich, erzählt von seinen Lebensverhältnissen usw., mit ihr gibt er auch oft (unbeabsichtigt) Hinweise auf Zusammenhänge und Lösungsmöglichkeiten. Daher sind entsprechende Kenntnisse der gesprochenen Sprache erforderlich, um einem Klienten angemessen gegenübertreten zu können.

 

Talent zum Hypnotisieren?

Falls Sie an dieser Stelle einen Hinweis darauf vermissen, dass man zum Hypnotisieren ein bestimmtes Talent oder eine Art Veranlagung bräuchte, so werden Sie hiermit enttäuscht. Hypnotisieren ist ein Vorgang, den praktisch jeder innerhalb kürzester Zeit erlernen kann. Besondere Voraussetzungen braucht es dafür nicht.